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++ Politik: Faire Kinderzulagen - aber günstig! ++
 

Der Artikel im Tagi vom letzten Donnerstag bringt es (fast) auf den Punkt: Die unterschiedlichen Kinderzulagen sind tatsächlich ein grosses Problem - dazu erst noch ein kostspieliges. Das Problem sind nicht nur die kantonal unterschiedlichen Ansätze sondern vielmehr die kafkaesken Entscheidungskriterien die mitbestimmen, wer woher wieviel Kinderzulagen erhält.

Bei der traditionellen Familie mit nur einer berufstätigen Person ist es noch kein Problem, aber wenn beide Eltern arbeiten, muss anhand verschiedener Kriterien kontrolliert werden, ob aufgrund der konkreten Situation der Mann oder die Frau die höheren Kinderzulagen beziehen dürfte. Dies ist nämlich nicht nur von Kanton zu Kanton verschieden, sondern auch von Branche zu Branche. Die höhere Karte sticht dann - was grundsätzlich fair ist. Wenn die Frau aufgrund ihrer Branche und Kanton beispielsweise Fr. 160 zu Gute hätte, der Mann aber nur Fr. 154, dann entscheidet einer der Kassen, dass die Kinderzulagen über die Familienausgleichskasse der Frau abgerechnet werden. Bis man an diesem Punkt ist, haben die Eltern bereits ein Formular ausgefüllt, dass von beiden Kassen geprüft wurde. Ausserdem haben sie Geburtsscheine der Kinder gebracht und belegt, wo die Kinder wohnen. Bei Kindern, die im Ausland wohnen gelten teilweise kaufkraftbereinigte Ansätze, da der Unterhalt eines Kindes in Portugal oder Italien weniger kostet als in der Schweiz.

Würde man jetzt das System endlich einmal radikal vereinfachen, könnte man mit dem dadurch eingesparten Geld die Kinderzulagen erhöhen. Stellen sie sich doch einmal vor, was passiert, wenn die Eltern umziehen, das Arbeitspensum ändern oder die Stelle wechseln - richtig, das Verfahren beginnt von vorn. Die Initiative von Travail.Suisse hat ein Teil des Problems erkannt, möchte aber einfach zu viel des Guten und wird darum keinen Erfolg haben.

Eine moderate Erhöhung, mit einer gründlichen Vereinfachung des Verfahrens wäre für alle Beteiligten die bessere Lösung - diese Chance hat das Parlament durch die Ausarbeitung eines Gegenentwurfs, aber da eine ähnliche Vorlage schon seit 13 Jahren hängig ist, frage ich mich, ob wir uns darauf verlassen können, dass sich da was bewegt. Dabei wäre eine Vereinfachung der Abläufe ein positiver Vorschlag, denn die Arbeitgeber könnten sich das hin- und her mit den verschiedenen Kassen sparen, die Arbeitnehmer hätten mehr Geld zur Verfügung.

Wie vereinfachen wir das System? Sollen die Kinderzulagen der Krankenkasse gutgeschrieben werden, soll grundsätzlich die Mutter Anrecht auf die Zulagen haben - falls sie nicht arbeitet natürlich der Vater - oder sollen dies die Arbeitgeber untereinander ausmachen? Alles ist denkbar. Für die Gutschrift bei der Krankenkasse spricht die konstante Erhöhung der Prämien und die je länger schlechtere Zahlungsmoral der Versicherten. Dagegen spricht, dass es nicht mehr selbstverständlich ist, dass Ehepaare bei der gleichen Kasse versichert sind.

Noch besser wäre es natürlich, wenn die Arbeitgeber den Wert der Familien erkennen und den Angestellten mit Kindern von sich aus etwas mehr zahlen würden. Da aber die Arbeitgeber schon mit schon mit der Lohnfortzahlung während des Schwangerschaftsurlaubs belastet sind werden sie kein grosses Interesse an zusätzlichen Zulagen haben. Das letzte Wort wird wie immer das Volk haben, hoffen wir darauf, dass unser Parlament uns neben der Travail.Suisse-Initiative noch einen mehrheitsfähigen Gegenentwurf zur Abstimmung vorlegt.

(als Leserbrief im Tages Anzeiger vom Montag, 2. März 2004 erschienen )

posted by Kaspar on www.imho.ch | direkter Link: Freitag, Februar 20, 2004 top
        
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